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Bei einem Gespräch erwähnte ich den Begriff Tauchsieder Syndrom. Mein deutschsprachiger Gesprächspartner hatte diesen Begriff noch nie gehört, wobei wir beide aus demselben Kulturkreis kommen. Das hat mich stutzig gemacht. Eine kurze Recherche bei Google förderte zu Tage, es gibt nicht viele Einträge im Netz über diesen Begriff.

Mit einem Eintrag über diesen hat man gute Chancen weit oben in der Googlesuche zu landen. Wegen diesen Tatbestand schreibe ich genau über diesen Begriff. Ein bisschen Internetruhm, sozusagen. Und ich möchte ebenfalls mit dem Beitrag den Bekanntheitsgrad des Begriffes Tauchsieder-Syndrom massiv erhöhen.

Als erstes eine kleine Einführung, was ein Tauchsieder eigentlich ist. Um nicht das Rad neu zu erfinden, verwende ich die frei verfügbare Informationen von Wikipedia:

„Ein Tauchsieder besteht im Wesentlichen aus einem Rohrheizkörper, der über ein Kabel mit einem Stecker verbunden ist. Das Schutzrohr des Rohrheizkörpers besteht meist aus vernickeltem oder vergoldetem Messing, Kupfer oder Edelstahl und ist bei den meisten neueren Geräten über den Schutzleiter der Anschlussleitung mit dem Schutzkontakt des Steckers verbunden. Der Anschluss des Rohrheizkörpers an das Kabel ist zugleich als wärmeisolierender Griff ausgeführt.

Weiterhin ist eine ältere Bauform bekannt, die ein hülsenförmiges Heizelement hat.

Insbesondere ältere Tauchsieder verfügen über keinen Schutzleiteranschluss.

Historische und improvisierte Tauchsieder, die mittels Elektroden das Wasser selbst als Heizleiter nutzen, haben ebenfalls keinen Schutzleiteranschluss, sondern bestenfalls einen Schutzkäfig, um direktes Berühren der Elektroden zu verhindern. Siehe hierzu auch Atomino.

Improvisierter Tauchsieder, vor der Inbetriebnahme

Atomino, Ufo oder auch Atomtauchsieder waren improvisierte Tauchsieder, die unter anderem von Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR verwendet wurden.[1] In Polen sind diese improvisierten Tauchsieder unter dem Begriff Buzala bekannt.

Tauchsieder gehörten zu den Armeeangehörigen verbotenen Gegenständen, nach denen bei Stubenkontrollen gezielt gesucht wurde.[2] Aus dem Grund bastelten sich Armeeangehörige improvisierte Tauchsieder, um Heißgetränke zuzubereiten.

Der Name Atomino leitet sich ab von einer Episode der gleichnamigen Comicserie, die ab den 1960er-Jahren in Heft- sowie Buchform in der DDR erschien: Atomino erhitzte das Meerwasser wie ein Tauchsieder. „Jetzt kann man es aushalten. Bravo, Atomino, welch himmlische Wärme!“ Die Oberfläche begann zu dampfen wie in einer Badewanne, und die Temperatur stieg rasch. Der Name Ufo entstand aufgrund der Scheibenform der verwendeten Dosenteile.

Die Herstellung solcher Tauchsieder aus Rasierklingen war bereits in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Zivilbevölkerung üblich, als Elektrogeräte nicht erhältlich waren, auch lebten seinerzeit viele Menschen in Notwohnungen ohne Kochmöglichkeit, sodass die improvisierten Tauchsieder die einzige Möglichkeit waren, Wasser zu erhitzen[5].

Die erhebliche Gefahr eines elektrischen Schlages bei der unsachgemäßen Benutzung solcher Tauchsieder wurde aufgrund der Not- bzw. Zwangssituation in Kauf genommen.

Bauweise

Bau und Gebrauch der illegalen Wasserkocher bei der NVA ist in zahlreichen Briefen und Erinnerungsbüchern dokumentiert.[6] Die Tauchsieder bestanden meistens aus den beiden dosenähnlichen Verpackungsteilen der auswechselbaren Klarsichtscheiben für Atemschutzmasken oder auch aus zwei Rasierklingen.

Ober- und Unterteil der Dosen bzw. die beiden Rasierklingen wurden mit Hilfe eines stromisolierenden Kunststoffdruckknopfes eines ABC-Schutzanzuges oder anderer nicht leitender Materialien miteinander verbunden. Der Druckknopf konnte jederzeit wieder an den Schutzanzug angebracht werden. Die beiden Metallteile wurden mit den Adern eines Stromkabels verbunden. Die Konstruktion wurde in das zu erhitzende Wasser getaucht und anschließend in eine Steckdose gesteckt oder anderweitig (z. B. über eine Glühlampenfassung) unter Spannung gesetzt. Zwischen den beiden Metallteilen des Ufos floss der Strom über das Wasser. Der spezifische Widerstand des Wassers erzeugte dabei genug Wärme, um binnen Sekunden eine Tasse Wasser zum Kochen zu bringen“

Also hätten wir das geklärt. Ich vermute durch die Verbreitung des Atomino in der NVA war der Begriff Tauchsieder in DDR mehr verwendet als in der BRD, was sich sicherlich in der heutigen Zeit zwischen den Alt- und Neubundesländer fortsetzt. Wie in der Erläuterung erklärt wird, hängt man den Tauchsieder in die Flüssigkeit rein, um diese zu Erhitzen. Von da ist der Brückenschlag zu einer Person, welche sich überall reinhängt nicht mehr weit.

Das zweite Wort in der Zusammensetzung ist ebenfalls interessant und umschreibt einen Sachverhalt und/oder eine Eigenschaft. Laut Wikipedia hat das Word Syndrom zwei Bedeutungen:

[1] Medizin: die Gesamtheit aller Symptome einer Erkrankung

[2] Soziologie: eine Gruppe von Merkmalen oder Faktoren, deren gemeinsames Auftreten einen bestimmten Zusammenhang oder Zustand anzeigt

Order kurz in Englisch: recognizable pattern of symptoms or behaviours – Übersetzt ein wiederkennbares Muster von Symptome und Verhalten

Was liegt also näher, als dieses Wort mit dem Tauchsieder zu verbinden um eine Person zu beschreiben, dies es nicht lassen kann sich überall ungefragt einmischt?

Vola, hat man den Begriff Tauchsieder-Syndrom, welcher ganz genau diese Person und deren Verhaltensmuster beschreibt.

Ich hoffe mit diesem Beitrag den Begriff das Überleben gesichert, anderen Menschen ihn näher gebracht und vielleicht gar zur Anwendungen veranlasst zu haben.

 

Photo by Jan Phoenix on Unsplash

2 comments on “Das Tauchsieder-Syndrom

    1. Danke, werde ich bei Gelegenheit mal reinschauen.

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