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Auf diesen Artikel bin ich heute gestoβen. Vielleicht erst lesen. Er ist jetzt schon fast drei Jahre alt, aber das ändert nichts an seinem Inhalt. Er wurde auch geschrieben, bevor Millionen von Personen nach Deutschland einströmten und bevor sich die Mehrheit der Insulaner und Teatrinker sich für den Ausstieg aus der Europäischen Union aussprachen. Das ist aber nicht wirklich relevant, und auch nicht der Grund warum ich über diesen Artikel einen Blogeintrag schreibe. Es geht mir, egal was man für eine Einstellung zum Flüchtlingsthema hat und welchem Lager angehört, um den Sachverhalt von 1945.

Als Familie war ich väterlichseits von diesem Thema betroffen. Diese stammte nämlich aus Pommern. Meine Urgroβmutter musste mit dem beschriebenen Handwagen ihren Hof verlassen. Es war kein kleiner, der gröβte in der Region. Ihr Mann und ihre zwei Söhne waren an der Ost- bzw. Westfront. Sie hatte nur ein paar Stunden Zeit das Nötigste zu packen und sich mit ihrer Tochter zu Fuβ auf dem Weg nach Westen zu machen. Das Inferno am 13. Februar 1945 in Dresden, welches 25.000 Personen das Leben kostete, entkam sie nur knapp, weil sie schon auf dem Weg weiter nach Nürnberg war.

Das war die generelle Situation in Deutschland im Jahr 1945. Die Hälfte aller von Bomber Command [Royal Air Force] geworfenen Bomben über Deutschland, 500.000 Tonnen, wurden über stark bewohnte Gebiete abgeworfen. Das Ergebnis am Kriegsende waren 62 Städte dem Erdboben gleich gemacht, 600.000 Zivilisten getötet und Millionen ohne eine Bleibe. Hamburg, Köln, Manheim, Nürnberg, Schweinfurt, Darmstadt, Rostock, Dresden, Leibzig, Lübeck, einfach an eine gröβere Deutsche Stadt denken, wahrscheinlich war diese nicht mehr da.

Mit diesem Wissen sieht die Sachlage etwas anders aus. Die Menschen hatten nichts mehr, rein gar nichts mehr. Die Flüchlinge aus den Gebieten wurden nicht freudig aufgenommen, dass ist eine Tatsache, aber beide Parteien hatten nichts. Und die Flüchtlinge wussten, dass sie nie mehr in ihrer Heimat gehen konnten. Aber sie sprachen die gleiche Sprache, nämlich Deutsch und hatten im wesentlichen die gleichen Werte und Rechstverständnis, denn sie waren Deutsche. Dabei von Integration zu sprechen ist seltsam. Sicherlich muss man sich immer in einem neuen Gebiet anpassen und auf die Gewohnheiten eingehen. Das geht aber einen Müncher in Berlin heute auch nicht anders.

Die Flüchtlingskrise nach dem Kriegsende 1945 war ausgelöst von dem schlimmsten Krieg welche diese Erde bisher gesehen hat. Die Menschen in Deutschland standen vor dem Nichts. Alles musste neu aufgebaut werden. Ein Staat war zu diesem Zeitpunkt nicht existent. Eine Soziale Absicherung wie heute gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Deshalb ist der Vergleich der Lage von heute mit der 1945 wirklich absurd. Der Autor geht auch nicht auf die Situation auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in diesem Artikel ein. Was er aber in einem YouTube Video tut.

Ich fragte mich wie man zu solchen Äuβerungen kommen kann. Um den Autor besser zu verstehen recherierte ich und wurde auf Wikipedia fündig. Der Autor Andreas Kossert ist seit Januar 2010 wissenschaftlicher Referent sowie Leiter des Bereichs Dokumentation und Forschung bei der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) in Berlin. Er hat das Buch Kalte Heimat: die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, herausgegeben 2008, geschrieben. Noch bevor er bei der Bundestiftung angestellt wurde. Er ist mit der Materie sehr gut vertraut. Und hat recht, dass die Vvertriebenen Menschen als Menschen zweiter Klasse behandelt worden sind. Diese hatten es schwer, aber brachten sich ein, weil sie gar keine andere Wahl hatten. Er hat mit vielen seiner Aussagen in diesem Artikel recht, aber warum zieht er den Vergleich zu heute, was eine wie schon gesagt absurde Sache ist. Die Sachlage 2015 bzw. 2018 heute ist eine total andere.

Seine Aussagen müssen ja wo begründet sein. Deshalb schaute ich nach, wo Andreas angestellt ist. Dies ist die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Eine Staatliche Einrichtung, finanziert durch Steuergeldern. Der Autor ist also ein Transferleistungsempfänger.

Ist hier womöglich ein Interessenskonflikt? Um beruflich weiter zu kommen kann man schlecht gegen seinen Arbeitgeber, in diesem Fall die BRD, schreiben, oder? Mir drängt sich der Verdacht auf, das eine bestimmte Agenda verfolgt wird und bestimmte Meinungen verteten werden sollen. Diese von einem Staat, welcher sich aus Geldern seines Bürger finanziert.

Ich denke die Demokratie in seiner derzeitigen Form ist in einer Sackgasse geraten. Eine mit nur 32,5% gewählte Partei und Person entscheidet für die restlichen 68,5%. Dabei werden die Freiheitsrechte der Bürger immer mehr eingeschränkt, indem sich der nur konsumierende Staat immer mehr in persönliche Dinge des Lebens einmischt unter dem Deckmantel des Gemeinwohls.

Das ist für mich wirklich das Schlimme, nicht ein Artikel welcher absurde Vergleiche zieht, sondern die Strukturen dahinter.

ANDREAS KOSSERT
Der Autor ist Historiker und arbeitet in Berlin bei der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“.

https://www.zeit.de/2015/05/fluechtlinge-boehmen-pommern-nachkriegszeit

Ganzer Artikel für den Fall er ist im Netz nicht mehr auffindbar

Flüchtlinge

Böhmen, Pommern, Syrien

Wer heute gegen Einwanderung auf die Straße geht, verdrängt die eigene Migrationsgeschichte. In der Nachkriegszeit hat das Land Millionen Vertriebene aus dem Osten aufgenommen – und von ihnen profitiert.

Von Andreas Kossert

„Bitte weiterflüchten“ war in den vergangenen Wochen immer wieder auf den Transparenten der Pegida-Wutbürger zu lesen – eine Aufforderung, die an Zynismus kaum zu überbieten ist. Zugleich zeugt sie von einer erschütternden Vergesslichkeit, denn viele, die derzeit von „Überfremdungsängsten“ getrieben auf die Straße gehen, verdrängen offenbar, dass ihre eigenen Eltern oder Großeltern nach 1945 als Flüchtlinge ins besetzte Nachkriegsdeutschland kamen.

Leicht hatten es die Zuflucht Suchenden auch damals nicht. Dennoch ist ihre Integration auf lange Sicht gelungen, und über die Jahre haben die Entwurzelten aus dem Osten Deutschland zu einem anderen Land gemacht. Die Bundesrepublik, wie wir sie heute kennen, ist ohne sie nicht zu denken. Daran zu erinnern könnte Ängste und Befürchtungen nehmen, ja Empathie für Menschen wecken, die heute ihre Heimat verlieren. Mehr noch: Angesichts brennender Flüchtlingsheime und der Aufmärsche selbst ernannter Wächter des Abendlandes scheint es 70 Jahre nach Kriegsende geradezu zwingend, den Blick zurückzurichten.

Kürzlich war in London die Ausstellung Germany. Memories of a Nation im British Museum zu sehen. Unter den Objekten, die dort die deutsche Geschichte repräsentierten, war auch ein Handwagen, mit dem eine deutsche Familie 1945 aus Pommern in den Westen floh. In London, scheint es, hat man die Bedeutung des Fluchtgeschehens für die deutsche Gesellschaft besser erkannt als hierzulande.

Bis zu 14 Millionen Deutsche verloren 1945 ihre Heimat. Ihre Vertreibung war die Konsequenz der barbarischen deutschen Besatzungsherrschaft während des Zweiten Weltkriegs. Aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Böhmen, aus der Zips, aus Reval, aus Siebenbürgen, aus der Dobrudscha machten sie sich auf den Weg nach Westen. Es kamen Deutsche zu Deutschen. Ihre kulturellen und mentalen Prägungen aber waren gänzlich andere als die der Menschen hierzulande. So trafen in den vier Besatzungszonen nach 1945 Bauern aus dem ukrainischen Wolhynien auf urbane Rheinländer, Breslauer Großbürger auf Oberbayern vom Lande. Dialekte, Mentalitäten, Konfessionen und Sozialisationen – die Differenzen konnten kaum größer sein.

Die Vertreibung der Deutschen bildete ein wichtiges Kapitel jener großen europäischen Erzählung von Zwangsmigration, die mit den „ethnischen Säuberungen“ nach dem Ersten Weltkrieg begann und 1945 ihren Höhepunkt erreichte – 60 bis 80 Millionen Heimatlose zählte man damals in Europa. Bis heute setzt sich diese Geschichte von Flucht und Vertreibung fort. Abertausende Flüchtlinge wagen den Weg über das Mittelmeer: Vertriebene aus Syrien, aus dem Irak, aus Libyen oder Darfur. Ruchlosen Schleppern ausgeliefert, versuchen sie, auf herrenlosen Booten ihr nacktes Leben zu retten. In Tausenden Fällen gelingt nicht einmal das. Verdurstet oder elendig ertrunken, werden sie an den Küsten der europäischen Urlaubshochburgen an Land gespült, gescheitert vor der Festung Europa. Mehr als 3.000 starben allein 2014.

Aus diesem Anlass erinnerte Günter Grass kürzlich auf einem PEN-Kongress in Hamburg an die Not am Ende des Zweiten Weltkrieges und vor allem an die Zwangseinquartierungen jener Jahre. Was, wenn heute die Deutschen gezwungen würden, Flüchtlingen in ihren behaglichen Eigenheimen Obdach zu geben? Die bloße Vorstellung wirkte wie eine ungeheuerliche Provokation. Doch Grass erinnerte zu Recht an die reale Lebenswelt im Deutschland der Nachkriegszeit, als Heimatlose, zu denen auch der gebürtige Danziger selbst zählte, in dieses Land kamen.

Ihre ersten Erfahrungen in der neuen Heimat waren oft bitter. „Verschwinds, damisches Gesindel“, entgegnete man im Chiemgau dem Flüchtlingsjungen Olaf Ihlau aus Ostpreußen, der sich später als Journalist und Autor einen Namen machte. Manchmal ließ man die Hunde von der Kette. „Flüchtlingsschweine“ und „Polacken“ schimpfte man Vertriebene wie die Ihlaus. Dabei waren sie, allein auf sich gestellt, auf das Mitleid fremder Menschen in einer fremden Umgebung angewiesen. Dass sie als „Zigeuner“ oder „Gesindel“ bezeichnet wurden, entsetzte und erbitterte viele von ihnen. „Die drei großen Übel, das waren die Wildschweine, die Kartoffelkäfer und die Flüchtlinge“, sagte man im Emsland über die Zeit nach dem Krieg. Kein Wunder, dass die Zwangseinquartierung von Vertriebenen mancherorts den sozialen Frieden gefährdete. Besatzungssoldaten mussten die Einheimischen nicht selten mit vorgehaltener Maschinenpistole zwingen, Familien bei sich aufzunehmen.

Viele Flüchtlinge waren regelrecht traumatisiert. Oft hatten sie Angehörige zurücklassen müssen und waren Opfer von Gewalttaten geworden. Christoph Hein, selbst aus Schlesien stammend, hat in seinem Roman Landnahme das Dilemma der Neuankömmlinge treffend beschrieben: „Aus ihrem Land waren sie vertrieben worden, und in unserem wurden sie nicht heimisch. Sie hatten sich bei uns niedergelassen, sie hatten in unserer Stadt ihr Quartier aufgeschlagen, aber eigentlich bewohnten sie ihre verschwundene Heimat. Fortwährend sprachen sie darüber, was sie alles verloren hatten, und davon wollte keiner in der Stadt etwas hören.“

Die Flüchtlinge wurden zu Motoren einer ungeahnten Modernisierung

Wer sich seiner Heimat stets sicher sein konnte, braucht sich in der Regel keine Fragen nach seiner Identität zu stellen. Wer seine Heimat verloren hat, muss sich diese Fragen ständig stellen. Das Elternhaus, der örtliche Dialekt, die Gerüche, das in der frühen Kindheit geprägte Gefühl von Zugehörigkeit: alles fort. Viele Heimatlose konnten dies nicht verkraften und zerbrachen regelrecht daran.

Die Siedlungshäuser der frühen Bundesrepublik versinnbildlichen noch heute die tief greifenden Veränderungen, die unser Land durch die Ankunft dieser Heimwehkranken erfahren hat. Alte Dorf- und Stadtkerne wurden aufgebrochen, an der Peripherie entstanden neue Quartiere. Hier wohnten die neuen Deutschen in neuen Häusern, nur die Straßen trugen alte Namen versunkener Lebenswelten: Königsberger Straße, Breslauer Straße, Danziger Straße.

Auch die religiöse Landkarte Deutschlands veränderte sich durch die Vertriebenen, wie seit den Tagen des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr. Wenn Protestanten aus dem Osten auf Katholiken aus dem Westen trafen, konnte es selbst in den fünfziger Jahren noch zu tumultartigen Szenen kommen. Die bloße Anwesenheit der Vertriebenen stellte gewachsene Hierarchien und Traditionen infrage. Doch mit der Zeit trug das Zusammenleben zu einem neuen, entspannteren Miteinander der Konfessionen bei.

Die Flüchtlinge wurden zu Motoren einer ungeahnten Modernisierung, sie brachen verkrustete Strukturen auf, und sie trugen maßgeblich zum Wiederaufbau Deutschlands bei. Sie waren mobil, konnten überall neu anfangen und gingen dorthin, wo Arbeit war. Gleichzeitig brachten sie wichtige Qualifikationen mit, und gerade die Jungen waren hoch motiviert, mit ihrer Arbeitskraft ein neues Leben aufzubauen. Alles in allem hat Deutschland mit der Integration von Millionen Vertriebenen eine ungeheure kulturelle und soziale Herausforderung gestemmt. All jene hingegen, die damals deren Scheitern voraussagten, konnten nicht weiter danebenliegen.

Schon die Zahlen sprechen dafür, dass die heutigen Ängste erst recht unbegründet sind. 2014 nahm das Bundesland Brandenburg 6.000 Flüchtlinge auf. Im April 1949 lebten dort 655.466 Vertriebene, was einem Bevölkerungsanteil von 24,8 Prozent entsprach. Häufig waren sie jahre-, manchmal sogar jahrzehntelang zwangsweise bei Einheimischen oder in Notunterkünften einquartiert.

Angesichts solcher Erfahrungen sollten wir uns heute keine übertriebenen Sorgen machen und uns an unsere eigenen Familiengeschichten erinnern. Millionen Biografien in Deutschland sind in ihrem Kern von einem Flüchtlingsschicksal geprägt. Für sie alle steht der Handwagen im British Museum gleichsam als Chiffre. Er symbolisiert diese kollektive Erfahrung, macht die Geschichte des Flüchtlingslandes Deutschland verständlich und verweist darüber hinaus auf die globalen Flüchtlingsfragen unserer Gegenwart: Der Handwagen von einst ist das auf dem Mittelmeer treibende Boot von heute.

Cover Photo: Dresden nach dem Angriff 1945

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